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Der Säure-Basen-Haushalt

Ein besonders wichtiger Aspekt im chemischen Regelkreis des Organismus ist neben dem Wasserhaushalt der Mineralstoffhaushalt, vor allem der Säure-Basen-Haushalt. Entwicklungsgeschichtlich gesehen sind diese drei die ältesten Regulationssysteme, die schon bei der urgeschichtlichen Entwicklung des Lebens wirksam waren. Der Säure-Basen-Haushalt sorgt für ein Gleichgewicht zwischen Säuren und Basen und schafft damit die Voraussetzung und die Rahmenbedingungen für die verschiedenen chemischen Stoffwechselvorgänge und auch für das Funktionieren des gesamten chemischen Regelkreises im Organismus.

Rund um die Uhr ist der Säure-Basen-Haushalt an der Regelung wichtiger Funktionen des Körpers beteiligt, wie zum Beispiel der Atmung, des Kreislaufs, der Verdauung. Im dynamischen Prozess der Stoffwechselvorgänge muss es eine ständige Abstimmung zwischen den beiden Gegenspielern Säuren und Basen geben. In der Natur gibt es keine organische Substanz, die nur basisch oder sauer ist, das heißt, dass jeder Organismus sowohl Basen als auch Säuren benötigt, die sich als Gegenspieler ergänzen und aufeinander abgestimmt die Lebensvorgänge in einem dynamischen Gleichgewicht halten. Eine Verlagerung ins saure oder basische Milieu kann der Körper nur schwer und nur über kurze Zeit kompensieren.

Ein Indikator, mit dem das Verhältnis zwischen Säuren und Basen gemessen wird, ist der so genannte pH-Wert. pH steht für potentia hydrogenii und bezeichnet das Verhältnis von positiv geladenen Wasserstoffionen zu negativ geladenen Sauerstoffionen in einer wässrigen Lösung.

Bei einem pH-Wert von 1 (stark sauer) haben wir es mit der höchstmöglichen Konzentration von Wasserstoffionen in einer Säure zu tun, während bei einem pH-Wert von 14 (stark basisch) kaum noch Wasserstoffionen anzutreffen sind. Entsprechendes gilt umgekehrt für die Sauerstoffionen. Mit der Zahl 7 wird eine Neutralität ausgedrückt, die bedeutet, dass gleich viele positiv geladene Wasserstoffionen in einer Flüssigkeit enthalten sind wie negativ geladene Sauerstoffionen.

Die physiologischen pH-Werte verschiedener Körperflüssigkeiten reichen von stark basisch bis stark sauer. Von zentraler Bedeutung ist der pH-Wert des arteriellen Blutes, der innerhalb seiner vorgegebenen basischen Norm von 7,37 bis maximal 7,43 stabil gehalten werden muss.

An diesem wichtigen Soll-Wert des kybernetischen, chemischen Regelkreises orientiert sich der Säure-Basen-Haushalt bei der Regulation im gesamten Körper, weil das Blut mit jedem Bereich im Körper in Verbindung steht und an vielen entscheidenden Vorgängen beteiligt ist. Rezeptoren ("Fühler") im arteriellen Blutkreislauf und im Atemzentrum melden, wenn Gefahr besteht, dass sich der pH-Wert des Blutes nicht mehr in der vorgegebenen Bandbreite bewegt, denn schon geringe Abweichungen sind lebensbedrohlich. Ausgeklügelte Puffersysteme im Blut, der Gasaustausch in der Lunge sowie die Regulationsmechanismen der Niere und der Leber gewährleisten den erforderlichen Ausgleich.

Am Beispiel des Verdauungsprozesses, eines komplexen chemischen Vorgangs, an dem viele Organe mit ihren jeweiligen Körperflüssigkeiten beteiligt sind, wird deutlich, welche sinnvolle Bedeutung den unterschiedlichen pH-Werten in den einzelnen Verarbeitungsabschnitten zukommt.

Der Magen ist mit seinem Magensaft der sauerste Ort im Körper: Sein pH-Wert beträgt 0,8-1,5 im Zusammenhang mit der Nahrungsaufnahme. Der Körper benötigt diese Magensäure zur Zerkleinerung und Desinfektion des aus der Speiseröhre kommenden Nahrungsbreis und zur Vorverdauung von Eiweiß.

Der dem Magen direkt folgende Zwölffingerdarm, der erste Abschnitt des Dünndarms, muss ein basisches Milieu haben, um den Nahrungsbrei, der gesäuert aus dem Magen ankommt, zu entsäuern und für die weitere Verarbeitung vorzubereiten. Hierzu produzieren Drüsen im Zwölffingerdarm ein Sekret, das einen pH-Wert von 8-9 aufweist. Darüber hinaus wird Gallensaft benötigt, der einen pH-Wert bis zu 7,2 hat, sowie Enzymsäfte aus der Bauchspeicheldrüse, die mit einem pH-Wert bis zu 8,2 ebenfalls basisch sind.

Der Übergang vom Magen in den Zwölffingerdarm ist also im Körper eine wichtige "Schnittstelle" in Bezug auf den Säure-Basen-Haushalt.

Auf den Zwölffingerdarm folgen weitere Abschnitte des Dünndarms, in denen sortiert wird, welche Bestandteile der Nahrung unser Organismus aufnimmt und welche an den Dickdarm zur Ausscheidung weitergeleitet werden. Der Dünndarm ist ca. drei Meter lang und umfasst ca. 200m2 Schleimhautoberfläche. Hier findet auch die chemische Verarbeitung der drei Hauptnahrungsstoffe, der Eiweiße, Fette und Kohlenhydrate, zu Molekülen statt, die der Organismus über das Blut aufnehmen kann.

Im Dünndarm geht aber auch all das ins Blut über, das für den Organismus eine Belastung darstellen kann. Diese Stoffe werden direkt zur Leber transportiert, die als unsere Entgiftungsfabrik für die Entsorgung zuständig ist. Um diese vielfältigen Aufgaben zufriedenstellend bewältigen zu können, muss im Dünndarm ein basisches Milieu herrschen. Die Voraussetzungen dafür werden im Magen eingeleitet.

Während des Vorgangs der Magensäureproduktion, an der kleine Drüsen im Magen, Belegzellen genannt, beteiligt sind, entstehen gleichzeitig basisch reagierende Verbindungen. Diese Basen treten ins Blut über und werden über die Blutbahnen im Körper verteilt. Sie sorgen auf diesem Wege im gesamten Bindegewebe für die so genannten Basenfluten.

Nachdem das Bindegewebe durchgespült und auch dort ein Gleichgewicht zwischen Säuren und Basen hergestellt ist, wird der Überschuss der Basen wieder auf dem Blutwege an die dem Magen nachfolgenden Organe gegeben. Der Magen produziert täglich 2-3 Liter sauren Magensaft, und in derselben Zeit stellen Leber, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm zusammen bis zu 6 Liter basische Säfte her. Den größten Teil davon produziert der Dünndarm mit etwa 3 Litern, die Bauchspeicheldrüse beteiligt sich mit ca. 2 Litern, und die Gallenblase trägt durch den von der Leber produzierten Gallensaft mit ca. 0,5 Litern ihren Anteil dazu bei. Diese basischen Enzymsäfte sorgen dann im Dünndarm für das ausgeglichene Milieu zur weiteren Verarbeitung der Nahrung.

Somit kommt den Verdauungsorganen Magen, Leber mit Gallenblase, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung des Gleichgewichtes im Säure-Basen-Haushalt des gesamten Organismus zu.

Bei der Regulation des Säure-Basen-Haushalts mit all seinen komplexen Puffersystemen spielt die Ausscheidung von Überschüssen natürlich auch eine wichtige Rolle. Dafür sind neben der Leber die Haut und vor allem die Niere und Lunge zuständig.

Der Körper hat seltener mit basischen Überschüssen zu kämpfen. Für die Herausforderung, auf einen Überschuss von Säuren zu reagieren und sie auszuscheiden, stehen ihm wiederum ausgefeilte Regulationsmechanismen zur Verfügung, die ständig in Aktion sind.

Die Niere ist unser wichtigstes Organ zur Ausscheidung überschüssiger Säuren. Innerhalb einer Stunde wird das gesamte Blut zur Kontrolle etwa dreimal durch die Niere mit ihrem ausgeklügelten Filtrationssystem geschleust. Überschüssige Säuren können aber nicht als Säuren ausgeschieden werden, weil sie die Schleimhäute verätzen würden. Der Körper hilft sich, indem er sie mit körpereigenen basischen Mineralien wie zum Beispiel Magnesium und Kalzium neutralisiert, so dass Salze entstehen, die in dieser Form problemlos von der Niere über die Blase und die ableitenden Harnwege ausgeschieden werden können. Dieser Vorgang kommt einem Ausspülen gleich.

Aus diesem Grunde ist es so wichtig, dass wir ausreichend Flüssigkeit zu uns nehmen. Der tägliche Flüssigkeitsumsatz bei einem gesunden Erwachsenen sollte mindestens 2,5 Liter betragen. Ca. 1 Liter davon holt er sich aus wasserhaltiger Nahrung, den Rest muss er in flüssiger Form zu sich nehmen. Daraus erklärt sich, dass die Untergrenze für die tägliche Flüssigkeitsaufnahme 1,5 Liter sein sollte.

Die Lunge ist ein weiteres wichtiges Ausscheidungsorgan für überschüssige Säuren. Das Oberflächenvolumen der Lungenschleimhaut mit seinen 300 Millionen Alveolen, den Lungenbläschen, wird bei einem gesunden Menschen auf 80-90m2 geschätzt. Diese große Fläche ist nötig, um in kurzer Zeit die erforderliche Menge von eingeatmetem Sauerstoff mit verbrauchter, also mit Kohlendioxid (Kohlensäure) angereicherter und sauerstoffarmer Atemluft auszutauschen. Durch das Abatmen von Kohlendioxid, das nach den verschiedenen Stoffwechselvorgängen als gasförmiges Abfallprodukt ausgeschieden wird, reguliert die Lunge den Säure-Basen-Haushalt.

Das dritte wichtige Entsäuerungsorgan unseres Körpers ist die Haut. Sie gibt über ihre ca.2m2 Oberfläche ähnlich wie die Niere Säuren als Salze ab, nachdem diese durch körpereigene basische Mineralien neutralisiert wurden. Deshalb schmeckt der Schweiß auf unserer Haut auch salzig. An der Haut lässt sich in der Regel ablesen, wie es um die Kompensationsfähigkeit des Säure-Basen-Haushaltes im Körper bestellt ist. Die Haut ist nicht nur Spiegel der Seele, sondern auch Spiegel des Säure-Basen-Haushaltes.

Wenn all diese verschiedenen Kompensationssysteme des chemischen Regelkreises mit den jeweils zuständigen Organen zu stark beansprucht werden, den Säure-Basen-Haushalt also nicht mehr ausreichend regulieren können, dann gibt es eine Art "Überlaufventil": das Binde- und Stützgewebe. Obwohl dieses Gewebe mit seiner Extrazellularsubstanz für die Vorgänge im Körper ähnlich wichtig ist wie der "Lebenssaft" Blut, ist seine Beschaffenheit und Bedeutung den wenigsten bekannt. Ihm kommt eine ganze Reihe von wichtigen Aufgaben im Organismus zu:

  • Es umkleidet zusammen mit dem Fettgewebe jedes Organ in unserem Körper und schützt es gegen seine Umgebung.
  • Es umhüllt alle Knochen, Knorpel und Muskeln und gibt deshalb dem Bewegungsapparat seine Stabilität und seinen Halt.
  • Es umhüllt unsere Nervenzellen und schützt sie dadurch vor Schädigungen von außen.
  • Es ist in seiner Speicherfunktion immens wichtig für unseren Wasserhaushalt.
  • Es umschließt jede Körperzelle und gewährleistet sowohl ihre Versorgung mit den für sie lebensnotwendigen Nährstoffen als auch die Entsorgung von Abfallprodukten, die bei jedem Stoffwechselvorgang entstehen.
  • Es ist das größte Speicherorgan überschüssiger Säuren in unserem Organismus. Wenn die Niere, die Lunge und die Haut, die eigentlich für die Ausscheidung zuständig sind, überfordert werden, nimmt das Bindegewebe die Säuren auf, um einer Übersäuerung des Körpers entgegenzuwirken.

Dieses Binde- und Stützgewebe sollte möglichst frei und durchlässig sein, um all seine verschiedenen Aufgaben erfüllen zu können. Wenn der Körper das Bindegewebe als Überlaufventil nutzt und seine überschüssigen Säuren ablagert, entstehen dort so genannte Schlacken, also chemischer Müll. Diese Schlacken verhindern einerseits die freie Kommunikation der Zellen untereinander, andererseits aber auch, dass die einzelnen Zellen ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt werden und ihren eigenen Müll loswerden können.

Schlacken im Bindegewebe: Da liegen sie nun, und die Frage ist, wie lange? Wie kann der Organismus sie wieder abtransportieren? Was braucht er dazu? Oder wird das Bindegewebe ein Endlager statt ein Zwischenlager? Auf alle diese Fragen wird im Kapitel "Im gestörten Gleichgewicht" näher eingegangen.

Auf jeden Fall ist der Mensch in der Lage, seinen Säure-Basen-Haushalt zu beeinflussen und damit die Basis für die Regulations- und Kompensationsfähigkeit des chemischen Regelkreises zu gewährleisten. Durch seine Lebensweise und sogar durch seine Lebenseinstellung kann er positiv auf ihn einwirken. Ernährung und Bewegung spielen bei der Lebensweise in Bezug auf den Säure-Basen-Haushalt eine entscheidende Rolle. Aber auch die Art und Weise, mit der jeder Mensch sich individuell auf das Leben einstellt, wie er denkt, fühlt und sich gibt, beeinflusst das Gleichgewicht zwischen Säuren und Basen: Ein negativ eingestellter oder aggressiver Mensch zum Beispiel produziert mit entsprechenden Reaktionen wie "Ich bin sauer!" über das Vegetativum körpereigene Säuren und belastet seinen chemischen Regelkreis und damit seinen gesamten Stoffwechsel.


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