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-> Tumorerkrankungen begleitend zur Schulmedizin



Tumorerkrankungen - Zeichen der Resignation? 

Tumoren entstehen durch ein überschießendes, ungeordnetes Wachstum von Zellen, die sich unabhängig machen von den Vorgaben der körpereigenen Regelungs- und Steuerungssysteme. Die Medizin unterscheidet allgemein zwischen gutartigen und bösartigen Tumoren. Die gutartigen Tumoren, zum Beispiel Polypen, Myome und Lipome, sind gekennzeichnet durch langsames Wachstum mit niedriger Zellteilungsrate. Sie infiltrieren das sie umgebende Gewebe nicht. Im Gegensatz dazu halten sich die bösartigen Tumoren nicht an Grenzen. Sie wachsen schnell mit einer hohen Zellteilungsrate, "besetzen" das sie umgebende Gewebe und zerstören es.

Eine eindeutige Ursache für die Entstehung von bösartigen Tumoren ist wissenschaftlich noch nicht nachgewiesen. Einig ist man sich darin, dass eine unausgeglichene Lebensweise mit unzureichender Versorgung an Sauerstoff und Nährstoffen in Verbindung mit körperlichem und seelischem Stress Auslöser für eine Tumorentwicklung sein kann. Darüber hinaus werden auch genetische Anlagen und belastende Umwelteinflüsse, wie zum Beispiel Asbest oder elektromagnetische Belastungen, als Krebs auslösende Faktoren diskutiert.

Aus ganzheitlicher Sicht werden Tumoren als Ausdruck eines extremen körperlichen und seelischen Schwächezustandes verstanden. Auf der einen Seite können eine Vielzahl von körperlichen Funktionsstörungen und Leistungsmängeln vorliegen: angefangen von Störungen im Immun- und Hormonsystem über Mangelzustände im Vitamin- und Mineralhaushalt, Störungen im Säure-Basen-Haushalt und Funktionseinschränkungen in den Entgiftungs- und Ausscheidungsorganen Leber, Niere und Darm bis hin zu einer massiven Beeinträchtigung der Zellatmung. Auf der anderen Seite spielen seelische Erschütterungen oder Überlastungen ebenfalls eine große Rolle. In jedem Falle sind bei einem bösartigen Tumorgeschehen alle Regelkreise und -systeme mehr oder weniger gestört und haben ihre Regulations- und Kompensationsfähigkeit eingebüßt. Der Organismus hat "das Ruder aus der Hand gegeben".

In einem gesunden Körper läuft ein ständiger Erneuerungsprozess ab. 99 Prozent aller Zellen sind weniger als zwei Jahre alt. Tag für Tag findet in jedem Organismus ein ständiges Auswechseln von Zellen statt: Das Absterben von Zellen ist notwendig, um Platz zu machen für die neuen. Gesundes Leben ist also ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Zell-"Geburt" und Zell-"Tod".

Um den für eine normale Lebensspanne des Gesamtorganismus unbedingt erforderlichen regelmäßigen Zellersatz zu ermöglichen, muss ein von der Natur vorgesehenes programmiertes Absterben von Einzelzellen gewährleistet sein. Jede Zelle teilt sich normalerweise 52-mal, bevor sie absterben sollte. Dieser Vorgang wird "Apoptose" genannt. Bei diesem "Todesprogramm der Zelle" findet ein komplizierter chemischer Prozess statt, an dem unter anderem das Protein p53 beteiligt ist. In der Medizin wird dieses Protein auch das Selbstmord-Gen genannt. Durch diesen komplexen chemischen Prozess der Apoptose schrumpft die Zelle und löst sich in Fragmente auf, die dann von den körpereigenen Immunzellen, zum Beispiel den Makrophagen, "gefressen" werden. Dieses System im Körper eines jeden Menschen funktioniert wie ein eingebauter Sicherheitsmechanismus gegen Krankheit und Zerstörung. Auch in der Natur finden wir diesen Prozess. Wenn im Herbst die Blätter gelb werden und absterben, ist das auf denselben programmierten Zelltod zurückzuführen. Dieser natürliche Prozess des Untergangs von Zellen, die alt oder entartet sind, findet in einem gesunden Organismus ständig statt.

Die Forschung ist sich einig, dass am Anfang einer Tumorerkrankung immer eine Fehlsteuerung von Genen steht. Diese Fehlsteuerung löst dann eine Reihe von Folgen aus, die am Ende zu einem Tumorgeschehen führen.

Bereits 1926 hat Otto von Warburg, der Nobelpreisträger für Medizin und Physiologie 1931, den Mechanismus der Zellatmung entschlüsselt und damit erklärt, weshalb eine gesunde Körperzelle zu einer Tumorzelle entarten kann: Er stellte die so genannte Warburg-Hypothese auf. Als einen wichtigen Grund nannte er die verminderte Sauerstoffversorgung der einzelnen Zelle. Alle gesunden Körperzellen decken ihren Energiebedarf aus der Sauerstoffversorgung über die Atemluft. Auch heute noch ist in der Tumorforschung klar, dass erst durch Sauerstoffmangel der Boden für das chaotische Zellwachstum bereitet wird. Durch diesen Sauerstoffmangel ist auch die Nährstoffversorgung der Zelle nicht mehr ausreichend gewährleistet. Sowohl die Sauerstoff- als auch die Nährstoffversorgung der Zellen geht über den extrazellulären Raum, das Bindegewebe. Nur wenn in dieser Grundsubstanz die Kommunikationswege zwischen den Zellen ungehindert genutzt werden können, ist die ausreichende Versorgung der Zellen gesichert. Das Milieu, das eine tumoröse Entwicklung der Zellen ermöglicht, kann nicht so leicht entstehen.

Neben der Fehlversorgung der einzelnen Zelle spielt bei der Entstehung von Tumorerkrankungen aber noch eine andere Tatsache eine Rolle: Jede Zelle gehört zu einem Zellverband, jede einzelne Zelle hat also ihre "Familie". Diese Familie ist biologisch gesehen das sie umgebende Gewebe. Alle Zellen im Körper sind also einerseits Individuen und andererseits Teile einer Gemeinschaft. Das von der Natur vorgesehene "Todesprogramm", das "Sterbe-Gen", ist bei gesunden Menschen in allen Zellen enthalten. Darüber hinaus gibt es aber auch "Wächterenzyme", sie werden als "Leben-erhaltendes-Gen" bezeichnet. Diese "Wächterenzyme" wachen bei jeder Zellteilung streng darüber, dass nur solche Zellen weiterleben, die sich auch korrekt teilen und somit gesund weiterleben können. Dieses "Leben-erhaltende-Gen" ist sozusagen das zweite Sicherheitsventil; wenn der Zelltod nicht programmgemäß abläuft, reagiert die "Familie" mit ihrem "Leben-erhaltenden-Gen". Das umgebende Gewebe versucht also, die "Ausreißer" zu vernichten. Der Zellverband entscheidet dann sozusagen: "Du schadest uns, also töten wir dich." Dazu müssen die Zellen aber stark genug und das Immunsystem insgesamt im Gleichgewicht sein, um diesen Prozess immer wieder neu realisieren zu können.

In diesem von der Natur fein ausbalancierten System von Zellgeburt und Zelltod gibt es im Prinzip also zwei "Schwachstellen" im Körper, die dafür verantwortlich sein können, dass eine tumoröse Entwicklung stattfinden kann: Die Zelle selbst hat aus verschiedenen Gründen ihr vorgesehenes Todesprogramm "verlernt" und vermehrt sich trotz Entartung auch ohne "Erlaubnis" der umgebenden Zellen, oder die Zellen des Zellverbandes sind so geschwächt, dass sie nicht mehr das zweite Sicherheitsventil aktivieren können. Oft sind diese beiden Mechanismen miteinander gekoppelt. Bei der Entstehung von Tumoren werden im Organismus also entweder zu viele Zellen geboren, oder sie sterben nicht ordnungsgemäß. Erst dann, wenn eine gewisse Menge entarteter Zellen mit einem Gendefekt sich dem programmierten Absterbeprozess widersetzt, kann sich ein tumoröses Geschehen entwickeln.

Genetische Defekte können angeboren sein, zum Beispiel wird bei Dickdarmkrebs und bestimmten Formen von Brustkrebs bei Frauen ein angeborener genetischer Defekt vermutet. Es gibt aber auch genetische Defekte, die sich durch eine unzureichende Lebensführung im Laufe eines Lebens entwickeln können, zum Beispiel führen Rauchen und falsche Ernährung nachweislich zu einem erhöhten Risiko genetischer Defekte. Diese Faktoren sind unter dem Begriff Kanzerogene bekannt.

Dieser erworbenen oder vererbten genetischen Disposition zur Entartung von Zellen hat die Natur aber einen "Sicherheitsriegel" vorgeschoben: Von jedem menschlichen Gen existieren in jeder Zelle zwei Kopien - eine vom Vater und eine von der Mutter. Ist eines der Gene auf dem Satz von 23 Chromosomenpaaren, die jeder gesunde Mensch hat, entartet, kann der "Zwilling" seine Funktion in der Regel ersetzen. Genau an diesem zweiten Gen, der "Ersatzkopie", muss die Degeneration letztendlich ansetzen, um überhaupt eine tumoröse Entwicklung in Gang setzen zu können. Dieser Prozess dauert in einem Organismus normalerweise Jahre und findet sehr oft unbemerkt statt, denn wenn die Regelungs- und Steuerungssysteme, die Wächter- und Reparaturenzyme im Körper im Lot sind, kann der beginnende Tumor zum Beispiel eingekapselt oder auch ganz vernichtet werden.

Sind all diese eingebauten Sicherheitsstufen im Organismus nicht in der Lage, das chaotische Wachstum von entarteten Zellen zu verhindern, setzt ein Wettlauf zwischen Tumor und Körper ein: Einzelne Zellen beginnen ohne Respekt vor der eigenen "Familie" aus ihrem angestammten Zellverband auszutreten - sie bilden Metastasen. Der Tumor fordert jetzt auch von der "Familie" einen Anschluss an ihre Versorgungsbahnen, die Blutgefäße, damit er sich mit Sauerstoff und Nährstoffen zu seiner eigenen Vermehrung ausstatten kann. Welche genetischen Veränderungen im Einzelnen hinter diesem Schritt stehen, hat die Tumorforschung noch nicht endgültig definieren können. Auf diese Weise sichert sich der Tumor jedenfalls sein dauerhaftes Überleben. Er hat seine "Familie" verlassen und dringt immer tiefer in die Fett- und Muskelzellen ein, ignoriert dabei alle Signale des ihn umgebenden Gewebes und übernimmt die Regie.

Es ist deutlich geworden, dass die Natur einige Sicherheitsmechanismen eingebaut hat, um das Entstehen von Tumoren zu verhindern. Und dass wir viel von uns aus tun können, wenn wir uns immer wieder neu auf das "Leben auf einer gesunden Basis" besinnen, mit einer ausgewogenen Ernährung, ausreichend Bewegung und Schlaf. Immer wieder sollten wir versuchen, ein Gleichgewicht zwischen Anspannung und Entspannung herzustellen, um so am ehesten dem Naturgesetz von Wachsen und Vergehen, im Kleinen wie im Großen, folgen zu können.

Jeder Einzelne sollte immer wieder seine Lebensweise überprüfen, seine Lebensgedanken reflektieren, um immer wieder neu - aus jeder Position heraus - den Weg zurück ins Gleichgewicht zu suchen.

 


     


Es muss eine Stunde am Tag geben, wo der Mensch, der zu reden hat, verstummt.

Es muss eine Stunde geben, wo der Mann der Entschlüsse seine Entschlüsse beiseite schiebt, als wären sie alle zerronnen, und wo er eine neue Weisheit lernt: die Sonne vom Mond zu unterscheiden, das Meer vom festen Land und den Nachthimmel von der Wölbung eines Hügels.
 
Thomas Merton
(1915 - 1968)